Skizze eines Einzelfalls
Fluchthintergrund
Lirim ist 1999 während des Kosovokrieges im Alter von fünf Jahren mit seinen Eltern und zwei kleineren Geschwistern nach Deutschland geflohen. Er war vier Jahre alt, als er erlebte, wie serbische Milizen die Frauen seines Dorfes - darunter auch seine Mutter - auf dem Dorfplatz vergewaltigten und einen Teil der Dorfbewohner erschossen. Unmittelbar nach diesem Erlebnis war Lirim über 24 Stunden lang ohnmächtig und ist seitdem zutiefst verstört.
Ankunft in Deutschland
In München angekommen, lebte die fünfköpfige Familie mehrere Jahre in zwei engen Räumen in einer Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge. Lirim und seine Mutter wurden durch den Sozialdienst der Gemeinschaftsunterkunft an REFUGIO München überwiesen und befinden sich seitdem in psychotherapeutischer Einzelbehandlung.
Symptome
Die Mutter, selbst schwerst traumatisiert, war in hohem Maße depressiv und nicht in der Lage, die Versorgung der Kinder zu übernehmen und ihnen emotionalen Halt zu geben. Lirim ist in der Kindergruppe in der Gemeinschaftsunterkunft durch sich immer wiederholende fast autistisch anmutende Karatebewegungen aufgefallen. Zudem schlug er wahllos ums sich. Er nässte allnächtlich ein, verfiel in eine Kleinkind-Sprache, litt unter extremen Ängsten und geriet in Panik, sobald er nicht den nahen Kontakt zu einer erwachsenen Bezugsperson hatte. In der Regelschule war er nicht zu integrieren.
Aufenthalt
Die Lebenssituation der gesamten Familie verschärfte sich, weil ihre Duldung jeweils nur auf wenige Wochen begrenzt war. Sie lebten deshalb in ständiger Angst vor einer Abschiebung.
Hilfe durch REFUGIO München
Durch die therapeutische Behandlung hat sich die Mutter inzwischen so weit stabilisiert, dass sie die Versorgung und Erziehung der Kinder gewährleisten kann, so dass Lirim hier mehr Halt und Struktur erfährt. Lirim hat im sicheren Rahmen der Therapie gelernt, Vertrauen in Beziehungen zu finden und seine Ängste zu vermindern. Er ist ruhiger und sozial differenzierter geworden und hat in Schule und Hort Freunde gefunden. Nach vielen Lernproblemen und einer Wiederholung der Klasse hat er in der Schule Fuß gefasst. Auch sein Einnässen ist überwunden. Dennoch leidet er noch unter mehr Ängsten als ein normales Kind. Kleine Anlässe genügen, um ihn aus dem Gleichgewicht zu bringen. Die Therapie ist deshalb noch nicht abgeschlossen.
Parallel zur Psychotherapie sind die Eltern regelmäßig zur Sozialberatung bei REFUGIO München gekommen. Es ist inzwischen gelungen, eine Aufenthaltsbefugnis für die Familie zu erwirken. Der Vater fand eine Arbeitsstelle. Die Familie konnte nach langer Suche in eine kleine Privatwohnung ein
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