REFUGIO München - Beratungs- und Behandlungszentrum für Flüchtlinge und Folteropfer
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REFUGIO München - Einzelschicksale
 

Bosnischer Mann nach Folter in serbischer Gefangenschaft in Psychotherapie

REFUGIO München - Beratungs- und Behandlungszentrum für Flüchtlinge und Folteropfer
Skizze eines Einzelfalls

Fluchthintergrund

Herr M. ist Überlebender einer mehr als einjährigen Gefangenschaft in drei verschiedenen serbischen Lagern für muslimische Gefangene. Er erlebte zwischen 1992 und 1993 unvorstellbare menschliche Grausamkeit. Die Folterer waren ihm bekannte Serben – Mitbürger aus seiner Stadt. Ehemalige Arbeitskollegen misshandelten und folterten ihn. Er war Zeuge von Folterungen und Tötungen anderer Gefangener. Einem sterbenden Freund, der ihn um Wasser anflehte, durfte er nicht helfen.

Ankunft in Deutschland

Im April 1993 kam Herr M. als Kontingentflüchtling nach Süddeutschland. 1999 wurde er durch den Hausarzt an REFUGIO München überwiesen. Die ersten vier Jahre kam er aufgrund eines weiten Anfahrtsweges in größeren Abständen zur Therapie. Seit der Genehmigung seines Umzuges in die Nähe von München durch einen verbesserten Aufenthalt kann er die psychotherapeutische Behandlung regelmäßig wahrnehmen.

Symptome

Er beschrieb seine Lageraufenthalte im Detail, aber mit erstarrter Miene und ohne emotionale Regung - ein typisches Merkmal einer besonders schweren Traumatisierung.
Seit seiner Flucht nach Deutschland quälen Herrn M. nachts immer wieder Albträume, in denen sich Szenen aus der Gefangenschaft wiederholen. Besonders traumatisch erlebt er die Situation, in der er von Serben daran gehindert wurde, seinem sterbenden Freund zu helfen. Der jahrelange Medikamentengebrauch gegen Schlafstörungen und Depression zeigte massive Nebenwirkungen.
Daneben litt Herr M. an massiven Ängsten, die sich phasenweise zu einem Verfolgungswahn auswuchsen und seine bestehende Suizidalität steigerte. Diese krisenhafte Zuspitzung während des Therapieverlaufes hing vor allem damit zusammen, dass er als Zeuge gegen Täter aussagte, die ehemalige Mitbürger waren. Daraufhin wurde sein Haus im Herkunftsland zerstört.

Aufenthalt

Gleichzeitig hatte Herr M. über viele Jahre hinweg mit einem unsicheren Aufenthalt zu kämpfen. Das Zitat von Peter Münch in der Süddeutschen Zeitung "Das Leben ist die Zeit zwischen zwei Stempeln" verdeutlicht sehr eindringlich die fehlende Zukunftsperspektive, die traumatisierte Flüchtlinge in schwebenden Asylverfahren haben.

Hilfe durch REFUGIO München

Herr M. hat mithilfe einer Begutachtung durch REFUGIO München, in der seine Extremtraumatisierung nachgewiesen wurde, eine Aufenthaltserlaubnis erhalten.
Die Wiedererlangung seiner Würde war in der Therapie für ihn ein zentrales Thema. Er wollte sich wieder zu einer menschlichen Gesellschaft dazugehörig wahrnehmen können. Die stabile und vertrauensvolle Beziehung zu Therapeutin und Dolmetscherin war für ihn jahrelang ein Spiegel, in dem er sich trotz erlittener Erniedrigung allmählich wieder als wertvollen Menschen erkennen konnte. Ihm gelingt es seither leichter, Emotionen auszudrücken und anstelle von seinen früheren Monologen mit seinem Gegenüber in einen Dialog zu treten. Dadurch verbesserte sich seine Fähigkeit zu zwischenmenschlichen Beziehungen. Mittlerweile hat er sich ein gut funktionierendes soziales Netz aufgebaut und hat geheiratet. Seine Schlafstörungen mit Albträumen und die quälenden Erinnerungen sind zwar zurückgegangen. Es werden aber seelische Narben und Schatten aus der Zeit der Gefangenschaft bleiben. Eine Entschädigung für diese Zeit hat er in seiner Heimat bis heute noch nicht erhalten.
Eine hoffnungsvolle Zukunftsperspektive, die er in seiner Ehe sieht, hilft ihm jedoch schneller wieder aus der erinnerten Vergangenheit in die jetzt gesicherte und sinnhafte Gegenwart zurückzufinden. "Es hat sich doch gelohnt, überlebt zu haben", beschrieb er diese Erkenntnis.
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