Die Kunsttherapie ist ein therapeutisches Verfahren, das Zeichnen, Malen und gestalterisches Arbeiten als zentrale Ausdrucksform verwendet. Im Vordergrund dieser Methode steht die nonverbale Interaktion. Für die Arbeit mit Flüchtlingskindern erweist sich die Kunsttherapie als besonders hilfreiche Methode: Zum einen ermöglicht sie einen schnellen Zugang zu den Kindern, da Sprachbarrieren durch die nonverbale Kommunikation überwunden werden können. Zum anderen ist es für Kinder einfacher ihre schrecklichen Erlebnisse in Bildern und Objekten auszudrücken als durch die Sprache.
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Kunsttherapiegruppen:
Durch die Kunsttherapiegruppen haben die Kinder die Möglichkeit, sich mit ihren Erlebnissen nicht als vereinzelt, sondern im sozialen Umfeld mit anderen Kindern zu erleben, denen ähnliches zugestoßen ist. Dies bedeutet für die Kinder oft eine sehr große Entlastung.
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Gruppenprozess und -ziel
Neben dem Zeichnen und Malen versuchen die Therapeuten in den Gruppen auf die altersadäquaten Bedürfnisse der Kinder einzugehen und Materialen anzubieten, die sie besonders ansprechen. Dies fördert die Lust am kreativen Prozess. Traumatische Erfahrungen werden so nach und nach im Schutz der Gruppe symbolhaft ausgedrückt.
Die Therapeutin übernimmt im Gruppenprozess eine Doppelfunktion: Zum einen fördert sie die individuellen Ressourcen jedes einzelnen Kindes.
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So fühlen sie sich in ihrer Persönlichkeit wahrgenommen, werden mutiger und finden beim kreativen Arbeiten Möglichkeiten, sich gegen die erlittenen Ohnmachtsgefühle zu wehren. Zum anderen strukturiert die Therapeutin die Gruppenarbeit durch gezielte Interventionen.
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Bild vom Krieg
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Gemeinsame Gruppengespräche über den Inhalt und den Prozess der Arbeit dienen z.B. der Bewusstwerdung. Durch die entstandene Arbeit ist genügend Abstand zu den starken, emotionalen Gefühlen geschaffen worden. Die Gefühle sind durch das Bild oder den Gegenstand "dingfest" gemacht worden und dadurch nicht mehr so bedrohlich.
Verdrängte oder erstarrte Erinnerungen können so nach und nach aufgelöst und neue seelische Strukturen gebildet werden. Die heilsamen Wirkungen dieser Arbeit zeigen sich im Alltagsleben der Flüchtlingskinder sehr deutlich:
- Ihr Selbstwertgefühl nimmt zu.
- Sie zeigen sich offener für soziale Kontakte und knüpfen innerhalb der Gruppe Freundschaften.
- Sie können wieder Freude erleben und lachen.
- Sie entdecken ihre eigenen Ressourcen neu und erleben sich nicht mehr nur als "Opfer" sondern als "Gestalter".
- Sie lernen sich innerhalb eines sozialen Kontextes zu behaupten.
- Die Konzentrations- und Lernfähigkeit in der Schule nimmt zu.
Einzelfall:
Der 15-jährige Albin aus dem Kosovo konnte lange Zeit nicht über die Flucht nach Deutschland sprechen. Die gefahrvolle und entbehrungsreiche Flucht der Familie dauerte über 2 Jahre. Während dieser Zeit lebten sie in kalten und feuchten Erdlöchern und Wäldern. Der Hunger war ein ständiger Begleiter. Mehrmals wurden sie von ihren Verfolgern aufgegriffen und gefangen gehalten.
Über das Malen und plastische Gestalten bekamen die Alpträume und immer wiederkehrenden Ängste von Albin einen Platz und Handlungsspielraum. Er baute sich über einen längeren Zeitraum unterschiedliche Unterkünfte, die ihm und seinen Eltern Schutz gewährten. Es entstanden eine Höhle, ein Tipizelt, ein Iglu und später mehrere Arten von Häusern. Gemeinsam in der Gruppe konnten die Häuser ein Dorf bilden. Sie waren sehr persönlich gestaltet und boten Schutz gegen die Verfolger und ein neues Zuhause in Deutschland.
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Bild von der Höhle
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Literatur:
- Aissen-Crewtt, M.: Kunst und Therapie mit Gruppen. Aktivitäten, Themen und Anregungen für die Praxis. Dortmund 1997
- Bachmann, Helen I.: Malen als Lebensspur, Klett-Cotta, Stuttgart 1985
- Bachmann, Helen I: Die Spur zum Horizont. Malen als Selbstausdruck von der Latenz bis zur Adoleszenz, Stuttgart 1998
- Landgarten, Helen B.: Kunsttherapie als Familientherapie. Ein klinischer Leitfaden mit Falldarstellungen, Gerardi, Karlsruhe 1991
- Lutz, Christiane: Kinder und das Böse, Konfrontation und Geborgenheit, Kohlhammer, Stuttgart 1980
- Schuster, Martin: Wodurch Bilder wirken. Psychologie der Kunst, DuMont, Köln 1992