BAfF-Tagungsdokumentation 2015

Liebe interessierte Fachkolleginnen und -kollegen,

Studien zeigen weltweit, dass rund 30% aller erwachsenen Flüchtlinge traumatisiert sind. Bei Kindern und Jugendlichen liegt die Rate vermutlich noch höher. Im Arbeitsalltag von Therapeut*innen, Sozialarbeiter*innen und anderen professionellen wie ehrenamtlichen Helfenden stellt sich oft die Frage, wie diesen Flüchtlingen konkret geholfen werden kann.

Im Bereich der Psychotherapie ist die Herausforderung groß, westliche Konzepte der Behandlung und die kulturell anders geprägten Vorstellungen von Krankheit und Genesung bei Flüchtlingen überein zu bringen. Wichtig ist aber auch, andere Bereiche des Lebens mitzudenken, die bei Traumatisierung ein wesentlicher Bestandteil des Genesungsprozesses sind. Das soziale Umfeld als auch Fragen von Aufenthalt und Berufsperspektive sind wichtige Säulen einer integrativen „Behandlung“ von Trauma.

Mit unserer Fachtagung 2015 haben wir deshalb den Fokus auf den wissenschaftlichen und den gesellschaftspolitischen Diskurs gelegt. Beide Bereiche müssen zusammen gedacht werden, um Flüchtlingen in ihrer Lebensrealität eine angemessene Unterstützung zu geben.

Mit der vorliegenden Tagungsdokumentation möchten wir die Teilnehmer*innen ebenso wie alle anderen Interessierten anregen, sich mit den für Sie relevanten Inhalten auseinanderzusetzen, sie fachlich weiter zu denken und vielleicht Neues auszuprobieren.

Die Erfahrung aus vielen Jahren hat gezeigt, dass verschiedene Wege bzw. unterschiedliche therapeutische Ansätze erfolgreich sein können. Wir erheben daher nicht den Anspruch, in abschließender Weise die Thematik zu behandeln, sondern wollen ermutigen, eigene Erfahrungen zu machen und sie wieder in den Diskurs mit anderen Fachleuten zu bringen.

Unser besonderer Dank gilt der BAfF, dem deutschen Dachverband der psychosozialen Zentren, der bayerischen Landespsychotherapeutenkammer und dem European Network der europäischen Behandlungszentren für die Kooperation. Ohne die Beteiligung und Unterstützung dieser Netzwerke und Organisationen wäre die Fachtagung nicht zustande gekommen. Ebenso gilt unser Dank dem AMIF (Asyl-, Migrations- und Integrationfonds der EU), der UNO-Flüchtlingshilfe und dem Förderverein Refugio München für die finanzielle Unterstützung dieser Fachtagung.

Viel Erfolg beim Ausprobieren, Weiterentwickeln der Ideen unserer Tagung oder beim Entwickeln eigener Ideen und Konzepte.

Ihr
Jürgen Soyer
Geschäftsführer Refugio München