REFUGIO München - Beratungs- und Behandlungszentrum für Flüchtlinge und Folteropfer
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REFUGIO München - Spieltherapie
 

Spieltherapie

REFUGIO München - Beratungs- und Behandlungszentrum für Flüchtlinge und Folteropfer
Im spielerischen Handeln drücken Kinder aus, wofür ihnen die Worte fehlen. Mithilfe von Handpuppen, Stofftieren, Spielfiguren im Sandkasten, Kneten, Malen oder Rollenspielen entstehen Spielhandlungen, die die Wünsche und Nöte der Kinder lebendig werden lassen. Das Kind wählt das Material aus und bestimmt das Spiel, die Therapeutin begleitet, spielt manchmal mit, kommentiert und gibt Impulse. Die Handlung der Spielsequenz und die Wahl des Spielmaterials drücken symbolhaft die innere Welt des Kindes aus. Hieran knüpft die therapeutische Intervention an.

Sicherheit wiedergewinnen

Auf der Spielebene kann ein Gefühl von Sicherheit entstehen, wenn sich die Kinder, unterstützt von der Therapeutin, Orte der Ruhe und Sicherheit schaffen. Dies geschieht z.B. durch den Bau von Höhlen im Sand oder das Malen von Nestern. Starke, hilfreiche Figuren der Spielhandlung dienen den Kindern als "innere Helfer", mit denen sie sich identifizieren und sie so innerlich verankern können.
Ein moderner Schutzengel

Probehandeln

Der sichere Rahmen des Spielerischen ermöglicht es den Kindern, mit ihren Gefühlen - insbesondere mit ihren Aggressionen - auf ungefährliche Art Erfahrungen zu machen. Im Spiel finden die Kinder gemeinsam mit der Therapeutin Lösungen für Schwieriges und Beängstigendes. Da die erlebten Schrecken - immer wieder dosiert und verfremdet - dargestellt werden können, verlieren sie von ihrer Macht über das Kind.

Einzelfall:

Der achtjährige Argon aus dem Kosovo flüchtete als Vierjähriger mit seiner Mutter aus dem brennenden Haus wochenlang durch Wälder und zerstörte Dörfer. Der Vater war monatelang verschollen. Im Spiel, das sich über lange Zeit in Varianten wiederholte, ließ er einen kleinen Jungen allein in einer Welt von Monstern umherirren und nach einem Haus und einem Vater suchen, bis er sich seinen sicheren Ort gebaut hatte: eine Höhle, bewohnt von Vater und Sohn, bewacht vom größten Dinosaurier: Gefahr droht immer, aber es gibt auch Schutz. Unterstützt wird dieser Prozess durch therapeutische Geschichten, Imaginationen und Entspannungsübungen.
 
Bedrohung und Schutz

EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing)

EMDR ist eine klinisch bewährte Methode der Traumabehandlung, bei der mittels rechts-links-Stimulation (Augenbewegungen, Berührungen) intensive psychische Verarbeitungsprozesse angeregt werden. Eingebettet in die Spieltherapie wird auch EMDR angewandt, teils um die Kinder zu stabilisieren, teils um die durch das Trauma ausgelösten Gefühle zu verarbeiten.
Bei älteren Kindern und Jugendlichen tritt an die Stelle des Spiels mehr die Arbeit mit Imaginationen, Rollenspielen, bildnerischen Mitteln, Entspannungsverfahren, EMDR und Gesprächen.
Hilflosigkeit angesichts tödlicher Bedrohung
Katastrophe und die Möglichkeit der Heilung

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Literatur

  • Claudia Boeck-Singelmann u.a. (Hrsg.) (2002), Personenzentrierte Psychotherapie mit Kindern und Jugendlichen, Hogrefe Verlag
  • Francine Shapiro (1998) EMDR, Grundlagen und Praxis, Junfermann Verlag
  • Robert Tinker, Sandra Wilson (2000), EMDR mit Kindern, Junfermann Verlag
  • Sabine Weinberger (2005), Kindern spielend helfen, Juventa Verlag.
  • Stefan Schmidtchen (2001), Allgemeine Psychotherapie für Kinder, Jugendliche und Familien, Kohlhammer Verlag