25 Jahre Refugio München

Eine Jubiläumsveranstaltung, die das Verstörende von Flucht, Vertreibung und Ankommen in der Fremde erlebbar macht.  

Seit 25 Jahren hilft Refugio München Geflüchteten, die durch Krieg, Verfolgung, Folter und Flucht traumatisiert wurden. Am 22. Juli 2019 hatten wir zahlreiche Gäste, Unterstützer*innen und Interessierte wie z.B. Bürgermeisterin Christine Strobl und Konstantin Wecker bei unserer Jubiläumsveranstaltung.

Das Münchner Volkstheater stellte dafür die Räumlichkeiten für eine interaktive Performance unter dem Titel: „Ankommen – Leben in der dritten Sequenz“. Der Titel nimmt Bezug auf die so genannte dritte Phase der Traumatisierung von Geflüchteten, wenn sie nach Flucht und Verfolgung im Aufnahmeland weiteren Belastungen ausgesetzt sind. Das sind zum Beispiel Massenunterkünfte, mangelnde Ruhe oder Privatsphäre, Diskriminierung und Ausgrenzung oder auch generell ein Mangel an sozialer und medizinischer Unterstützung. Diese Faktoren wirken sich auf traumatisierte Geflüchtete sehr belastend aus.

Zum 25jährigen Bestehen von Refugio München wollten wir keine der üblichen Festveranstaltungen mit Reden und Häppchen. Wir haben uns gefragt, wie wir unseren Gästen und Unterstützer*innen vermittteln können, was Geflüchtete nach Flucht und Verfolgung bei ihrer Ankunft erleben. Wie ist das Ankommen in Deutschland? Unsere Idee: eine interaktive Performance, die das teils Verstörende einer Ankunft als Geflüchteter erlebbar macht: So sollten unsere Gäste z.B. beim Einlass zur Registrierung ihre Fingerabdrücke abgeben und wurden dabei nur in fremden Sprachen wie Dari angesprochen. Bilder an den Wänden des Weges, den das Publikum zum Einlass durchlief, zeigten typische Stationen einer Flucht wie Wüste, Wasser, Einsamkeit, aber auch die durch Ängste und Traumatisierung häufige Schlaflosigkeit bei der Ankunft. Ein über Kopfhörer erzählter Text ließ die Gäste an der Gefühlswelt eines Geflüchteten in diesen Situationen teilhaben. Erst nach Durchlaufen der Stationen konnten alle im Zuschauerraum ihre Plätze einnehmen und bekamen ein Säckchen mit typischen Gegenständen, die traumatisierten Geflüchteten helfen können: z.B. Ohrstöpsel, ein Therapieball oder ein Ring, der durch Druck auf den Finger den Träger in kritischen Situationen ins Hier und Jetzt zurückholen soll.

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Im Anschluss erklärten Geschäftsführer Jürgen Soyer und Barbara Abdallah-Steinkopf aus der Therapie dem Publikum das bisher Erlebte und was Flucht und Ankommen für Geflüchtete in Deutschland bedeutet. Ein Podiumsgespräch mit Bürgermeisterin Christine Strobl und Musikbeiträge einer interkulturellen Band und Konstantin Wecker rundeten das Programm ab.

Fotos: Max Kratzer, Ali Malak/Mohcine