Wie erging es unseren Klientinnen und Klienten während der Ausgangsbeschränkungen?

Geflüchtete in Gemeinschaftsunterkünften waren von den Auswirkungen der Pandemie besonders betroffen: viele Menschen auf engem Raum, schwierige hygienische Umstände, hohe Infektionsgefahr, Quarantäne und mangelnde Informationen in den wichtigen Sprachen. Unsere Forschungsabteilung hat interessante Erkenntnisse aus einer Befragung unserer Klient*innen gewonnen.

Isolation

Wir betreuen und behandeln bei Refugio München ausnahmslos Menschen, die sehr viel Traumatisches erlebt haben und durch diese Erlebnisse krank geworden sind. Unsere Forschungsabteilung wollte Anfang Mai wissen, wie sich drastische Maßnahmen wie Quarantäne und Ausgangsbeschränkungen auf ohnehin belastete Menschen auswirken. Die Ergebnisse waren zum Teil überraschend, denn ein Teil der Befragten beschrieb eine Verbesserung der Angst und Depressionssymptome. Das waren vor allem Personen, die sich schon länger bei Refugio München in Therapie befinden. Offensichtlich konnte durch die häufig schon stabile therapeutische Beziehung Hoffnung und Zuversicht vermittelt werden und die Menschen hatten bereits wirksame Mittel zur Hand, um mit akuten depressiven oder ängstlichen Tendenzen umzugehen. Darüber hinaus wurde unserem Forschungsteam auch berichtet, dass Ängste und Sorgen in Bezug auf drohende Abschiebungen bzw. Negativbescheide im Asylverfahren oder generell Schwierigkeiten mit anderen Behörden durch den Lockdown in den Hintergrund getreten sind.

Ganz besonders war ein Klient, der als Pflegekraft seit der Corona-Krise deutlich mehr Anerkennung und Dankbarkeit von Kollegen und Patienten erfuhr. Er wurde als tragende Säule am Arbeitsplatz wahrgenommen und seine Symptome haben sich am deutlichsten verbessert. Das zeigt exemplarisch, welch große Auswirkung gesellschaftliche Anerkennung auch auf psychopathologische Symptome haben kann.

Es gab aber auch die andere Seite: die Symptome eines posttraumatischen Belastungssyndroms (PTBS) der Klient*innen, die erst kurz bei uns in Therapie waren, haben sich eher verschlechtert. Sie konnten noch nicht so gut auf stabilisierende Techniken zurückgreifen und waren viel mehr auf den direkten Kontakt und die persönlichen Gespräche in unserer Einrichtung angewiesen.

Unsere beiden Forscherinnen Dr. Theresa Koch und Britta Dumser hatten selbst nicht mit so unterschiedlichen Ergebnissen ihrer Befragung gerechnet. Ihre vorsichtige Schlussfolgerung, die gleichzeitig Hoffnung und Ziel unserer Arbeit ist: Die Traumatherapie hilft den Menschen nicht nur die Vergangenheit zu überwinden. Sie macht auch für die Gegenwart stabil und hilft mit künftigen Krisen umzugehen.