Jahresbericht

Refugio München in 2019 – weitaus mehr Anmeldungen als Plätze

Unser Jahresbericht gibt Ihnen einen umfassenden Überblick über unsere Arbeit und die verschiedenen Arbeitsbereiche sowie Projekte des letzten Jahres.

Das Jahr 2019 bei Refugio München war weiter von einer sehr hohen Zahl von Anmeldungen zur Psychotherapie und zum Elterntraining geprägt. Im Erwachsenen-Bereich konnten wir bei weitem nicht allen Anmeldungen einen Platz anbieten. Im Kinder- und Jugendbereich konnten wir ganzjährig mit fast allen der jungen Geflüchteten ein Erstgespräch durchführen und dann den am schwersten belasteten Kindern und Jugendlichen einen Therapieplatz anbieten.

Die Schwere der Symptomatik unserer KlientInnen zeigt sich alleine an folgenden statistischen Zahlen: Rund 62% unserer erwachsenen KlientInnen und 37% der Kinder und Jugendlichen gaben an, auf Grund ihrer schwerwiegenden Erlebnisse Suizidgedanken zu haben. 14% der Erwachsenen und 9% der Kinder und Jugendlichen haben bereits einen Suizidversuch unternommen.

Erfreulicherweise können wir sehr nachhaltig helfen! Sobald eine psychotherapeutische Behandlung verbunden mit sozialpädagogischer Beratung bei Refugio München beginnt, erfolgt nur mehr sehr selten eine akute stationäre Aufnahme von KlientInnen in psychiatrischen Krankenhäusern. Dies zeigt, dass unsere Form der Behandlung in sehr vielen Fällen genau die Richtige ist.

Dabei ist immer zu bedenken, dass diese psychischen Erkrankungen niemals endgültig geheilt sind. Die Verletzlichkeit bleibt und kann immer wieder bei prekären Lebenssituationen aufbrechen.

Dies ist auch der Grund, warum sich viele Geflüchtete erst nach Jahren in Deutschland bei uns melden. Zunächst haben sie versucht, Normalität herzustellen. Viele schaffen es nicht, über ihre traumatischen Erlebnisse zu sprechen. Oder sie wollen es auch nicht. Viele melden sich erst, wenn für sie eine Krisensituation entsteht. Oft ist es eine krisenhafte Situation erst nach längerer Zeit in Deutschland, die die Menschen nicht mehr bewältigen können und sie in eine psychische Krise stürzen. Die traumatischen Erinnerungen kommen dann hoch.

Zum Glück haben wir bei unseren Angeboten in der Kunstwerkstatt für Kinder und Jugendliche, die in Asylbewerberunterkünften und in unserem eigenen Räumen stattfinden, keine begrenzten Plätze. In 2019 stieg die Zahl der TeilnehmerInnen noch einmal deutlich an.

Mehr über unsere weiteren Angebote in Kunsttherapiegruppen an Schulen, bei der Begutachtung im Aufenthaltsverfahren, der Frauenfachstelle, in der Fortbildung, bei der Beteiligung von Ehrenamtlichen und unseren Aktivitäten in der Forschung finden Sie in diesem Jahresbericht.

Viel Freude beim Lesen wünscht Ihnen
Ihr Jürgen Soyer,
Geschäftsführer