Refugio München Report

Zweimal im Jahr informiert der Refugio München-Report über aktuelle Themen aus der Arbeit mit Geflüchteten des Beratungs- und Behandlungszentrums. Er wagt aber auch regelmäßig einen Blick über den Tellerrand und beleuchtet in spannenden Reportagen und Interviews, Analysen und Kommentare die aktuelle politische Lage.

Unsere Fördermitglieder erhalten den Report frei Haus. Daneben liegt er an vielen öffentlichen Stellen sowie unserer Geschäftsstelle kostenlos aus.

Refugio München-Report (Ausgabe 1.2021)

Liebe Leser*innen,  liebe Freund*innen und Unterstützende von Refugio München,

eine Klientin aus dem Kongo sagte mir vor einiger Zeit: „Wenn ich bei Refugio zur Tür eintrete, dann habe ich plötzlich nicht mehr das Gefühl, dass ich in diesem Land Ausländerin bin.“ Über diesen Satz habe ich oft nachgedacht. Er fasst so wunderbar zusammen, was wir erreichen wollen: sie ist nicht mehr „nur“ Flüchtling, sondern einfach Mensch. Auf Augenhöhe. Ein Teil unserer Gesellschaft.

Aber was gibt ihr plötzlich diese Sicherheit, wenn sie zu uns kommt? Klar, sie kann über ihre Ängste und Hoffnungen sprechen. Sie wird damit ernst genommen. Aber ein wesentlicher Anteil ist auch eine Haltung bei Refugio München, die wir das „Interkulturelle Pendeln“ nennen.

Wir pendeln mit den Klientinnen und Klienten zwischen ihrer Herkunftskultur und der hiesigen Kultur. Was war in der Vergangenheit für sie wichtig, wie konnten sie Probleme in ihrer Herkunftskultur lösen und wie sehen Werte und Lösungsansätze in der hiesigen Kultur aus? Was wollen sie beibehalten und was können sie jetzt verändern, weil das Leben und die Umwelt hier anders sind.

Ich war selbst über zehn Jahre in der Beratung bei Refugio tätig. Die Beratungstätigkeit war für mich ein Geschenk, weil ich jeden Tag etwas Neues von den Klientinnen und Klienten lernen durfte. Oft dachte ich mir: „Ach so kann man das Leben auch sehen, so kann man auch miteinander umgehen.“ Vor allem die Verbundenheit und Unterstützung innerhalb von Familie, die Achtung der Älteren war für mich immer wieder ein Anlass, Werthaltungen unserer Gesellschaft zu überdenken.

Mehr zum „Interkulturellen Pendeln“ berichten wir Ihnen in diesem Report. Aber natürlich finden Sie auch viele andere Themen, die uns beschäftigen.

Danke für Ihr Interesse und Ihre Offenheit! Viel Spaß beim Lesen!

Ihr Jürgen Soyer

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