Kindertageseinrichtungen

Gleichstellung und Kultursensibilität fängt schon für und mit Kindern an

Seit Anfang 2018 gibt es bei der Stadt München eine fachpädagogische Beratung für die städtischen Kindertageseinrichtungen zu den Themen Flucht und Migration. Wir wollten wissen, wie die Unterstützung von Rihab Chaabane und Melanie Pilawski in dieser Stabsstelle für die 450 Einrichtungen genau aussieht und haben sie gebeten, das für den Refugio München report einmal zu beschreiben.

Aufgabe der fachpädagogischen Anlaufstelle ist es, den rund 450 Einrichtungen  – Kinderkrippen, Kindergärten, Horte und altersgemischte Häuser für Kinder – unterstützend und beratend rund um die Themen Flucht und Migration zur Seite zu stehen.

So konnte beispielsweise durch Vorträge und Workshops in diversen Gremien des Städtischen Trägers für Kindertageseinrichtungen auf das Konzept der Leichten Sprache aufmerksam gemacht werden. So erfährt diese Form der niederschwelligen Kommunikation mehr Präsenz in den Einrichtungen und kann auf unterschiedlichen Ebenen umgesetzt werden. Auf diese Art mehr Eltern zu erreichen und zu beteiligen, entspricht sowohl dem partizipativen Schwerpunkt als auch der inklusiven Grundhaltung der Stadt München.

In diesem Zusammenhang wird eine reibungslose Verständigung mit (neu) zugewanderten Familien auch über den Einsatz von Dolmetscher*innen sichergestellt. Die Koordination des Dolmetscherdienstes für die Kindertageseinrichtungen liegt ebenfalls bei der Stabsstelle.

Grundsätzlich arbeitet die Beratung bedarfsorientiert, nicht aufsuchend. Sofern eine Einrichtung eine Anfrage stellt, versuchen sie gemeinsam mit der Führungskraft den konkreten Bedarf zu ermitteln und bemühen sich um eine zeitnahe und individuell ausgerichtete Intervention. Diese kann in Form von Beratung, Vernetzung, Hospitation, Teambesprechung oder Inhouse-Schulung erfolgen. In der Zusammenarbeit mit den pädagogischen Teams werden neben Kommunikationsformen, wie z.B.Leichte Sprache, gebärden- und bildgestützte Kommunikation, auch weitere Themen bearbeitet, die die Fachkräfte für die Situation von Kindern mit Fluchterfahrung sensibilisieren sollen. So wird beispielsweise beobachtet, dass bei den Kita-Fachkräften immer wieder die Annahme besteht, dass eine Fluchtgeschichte zwangsläufig mit einer Traumatisierung einhergeht. Das führt zu Unsicherheiten im pädagogischen Umgang mit den Kindern. Um die Handlungssicherheit wieder herzustellen und Wahrnehmung zu fördern, werden den Fachkräften Ansätze und Methoden aus der Traumapädagogik nähergebracht. In diesem Fall erfolgt aber auch eine zusätzliche Aufklärung über z.B. Alltagsstressoren, mit denen schutzsuchende Familien konfrontiert werden und die nicht unweigerlich mit einem Psychotrauma in Zusammenhang stehen.

Neben der Arbeit mit den Teams stellt auch der Arbeitskreis Flucht und Migration, welcher ebenfalls von den beiden städtischen Kolleginnen koordiniert und geleitet wird, eine wichtige Austauschplattform für pädagogische Fachkräfte dar. In diesem Rahmen sollen Theorie und Praxis zusammen kommen.

Die interne und externe Netzwerkarbeit stellt eine weitere wichtige Komponente dar: Asylsuchende Familien sind häufig von verschiedenen Hilfssystemen umgeben, die versuchen, unterschiedliche Bedarfe abzudecken. Eine solide Vernetzung und Kooperation dieser Akteure wirkt sich sehr gewinnbringend aus. Die fachpädagogische Anlaufstelle unterstützt den Aufbau, die Erweiterung und die Vernetzung dieser professionellen Hilfesysteme – z.B. Gemeinschaftsunterkunft, Bildungslokal, Sozialbürgerhaus – mit der Kindertageseinrichtung.

Obwohl das fachliche Augenmerk auf dem Themenschwerpunkt Flucht liegt, versteht die Stabsstelle ihren Auftrag als inklusiv, bei dem es gilt, alle Kinder in ihren Ressourcen und Bedarfen zu sehen um letztendlich Bildungsgerechtigkeit herzustellen.

Ziel ist es somit die Fachkräfte nicht nur in ihrer Kultursensibilität zu stärken, sondern sie zu einer grundsätzlichen vorurteilsbewussten und vielfaltssensiblen Grundhaltung zu begleiten.

 

Rihab Chaabane (Heilpädagogin M.A.)
Melanie Pilawski  (Bildung & Erziehung B.A.)

Landeshauptstadt München – Referat für Bildung Sport Geschäftsbereich KITA – Städtischer Träger – Stabsstelle für Kinder und Familien mit Fluchterfahrung