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Früherkennung traumatisierter und/oder psychisch erkrankter Asylsuchender, psychosoziale Beratung und psychiatrische Diagnostik für Asylsuchende

In der Erstaufnahmeeinrichtung für Asylsuchende in München ist ein eigenes Team von Refugio München bestehend aus Fachärzt*innen, Peer-Berater*innen und Sozialpädagog*innen vor Ort. Ihre Aufgabe ist es, psychisch erkrankte und/oder traumatisierte Asylsuchende während ihres Aufenthalts in der Kurzaufnahme zu identifizieren und mit psychosozialer Beratung sowie im Bedarfsfall Diagnostik zu versorgen:

  • 4 Peer Berater*innen ermöglichen einen niedrigschwelligen Zugang, in dem sie aufsuchend tätig sind, Kontakte zu Bewohner*innen herstellen und auf das Angebot aufmerksam machen. Bei Bedarf begleiten sie zu Erstterminen.
  • 3 Fachärzt*innen für Psychiatrie/psychosomatische Medizin und Psychotherapie für Kinder, Jugendliche oder Erwachsene führen die Diagnostik durch und erstellen bei Bedarf und vorliegender Schweigepflichtsentbindung Dokumente für die Regierung von Oberbayern, das BAMF, den Sozialdienst der Anschlussunterbringung und Weiterbehandelnde.
  • 2 Sozialpädagog*innen kümmern sich als Case Management um die individuellen Bedürfnisse der Betroffenen bezüglich Anschlussunterbringung, medizinische Behandlung sowie Anhörung, bzw. Asylverfahren.

 

Symptome einer psychischen Erkrankung oder Traumatisierung können sein:

  • Schlaflosigkeit
  • Reizbarkeit/Depression/Angst
  • Sozialer Rückzug/ Vermeidung bestimmter Situationen, Themen, Aktivitäten
  • Vergesslichkeit, Konzentrationsprobleme
  • „Abwesenheit“ – Dissoziationen
  • Chronische Schmerzen (Kopf, Bauch, Rücken) OHNE körperlich auffindbare Ursache
  • Psychisch bedingte Krampfanfälle, Lähmungen
  • Suchtverhalten
  • Selbstverletzungen/Narben von Schnitten oder Zigarettenbrandverletzungen an den Unterarmen(v.a. links) und Suizidversuche
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Kontakt:
Telefon – Stefano Scala: +49 15780590869
E-Mail – soulcare@refugio-muenchen.de

Warum frühzeitige und aufsuchende psychosoziale Beratung und psychiatrische Diagnostik für Asylsuchende in einer Erstaufnahmeeinrichtung?

 

Die Früherkennung psychischer Erkrankungen, insbesondere solcher, die in Zusammenhang mit körperlicher und psychischer Gewalterfahrung stehen, ist aus verschiedenen Gründen nicht einfach. Die Erlebnisse von Gewalt haben die Betroffenen oft in den Grundfesten ihres Vertrauens in andere Menschen erschüttert. Opfer von sexueller Gewalt, Folter oder anderer traumatischer Erfahrungen können sich traumabedingt weder schnell noch einfach anderen Personen anvertrauen.
Asylsuchende sind mit einer Vielzahl an bürokratischen Anforderungen bei der Ankunft in Deutschland konfrontiert und müssen zugleich die Belastungen der Erlebnisse im Herkunftsland und auf der Flucht sowie kulturelle Herausforderungen bewältigen. Besonders vulnerable Geflüchtete können in der neuen Umgebung erst einmal schwer einschätzen, was passiert, wenn sie sich offenbaren oder dies nicht tun. Auch können sie Symptome einer Traumatisierung oder psychischen Erkrankung oft nicht einordnen und wissen nicht, dass sie Hilfe und Behandlung benötigen. Kinder und Jugendliche haben zudem häufig die Schwierigkeit, dass sie ihre möglicherweise selbst durch Krieg, Gewalterfahrungen, Todesangst und langandauernde Flucht belasteten Eltern nicht zusätzlich mit eigenen Problemen beschweren wollen. Durch eine schwere psychische Erkrankung eines Familienmitglieds wird der gesamte Familienverbund – inklusive der Kinder – belastet, insbesondere, wenn diese auf engstem Raum zusammenleben.
Eine frühe Identifizierung von Betroffenen und dadurch rechtzeitige angemessene Maßnahmen können eine Verschlechterung und Chronifizierung von Erkrankungen verhindern. Ein nicht frühzeitig erkannter Behandlungsbedarf kann hingegen zu Problemen im Asylverfahren, der Unterbringung sowie zu Belastungen von Mitbewohner*innen führen. Außerdem wird durch eine frühzeitige psychotherapeutische Versorgung die Grundlage für eine nachhaltige Integration geschaffen.

Dieses Projekt wird aus den Mitteln des Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds kofinanziert.