Mehr Geflüchtete aus Griechenland aufnehmen!

#BayernNimmtAuf

Die Geschichte von Arif ist eine von Vielen, die wir regelmäßig in der Beratung und Therapie hören. Die Zustände für Geflüchtete in Griechenland waren und sind weiter katastrophal.

„Die Zeit in Griechenland war die Hölle!“, sagt der 18jährige Arif (Name geändert). In Afghanistan hatte er mit ansehen müssen, wie Menschen von den Taliban ermordet wurden, er hatte auch einen Bombenanschlag miterlebt. Als Jugendlicher wurde er von den Taliban rekrutiert und flüchtete im Alter von 16 Jahren alleine aus dem Land.

In der Therapie bei Refugio München berichtet er darüber, wie belastend der Fluchtweg für ihn war. Sein Weg ging über den Iran in die Türkei und dann nach Griechenland. Auf der Flucht hatte er oft große Angst zu erfrieren, zu verhungern oder von wilden Tieren angefallen zu werden.

Bei Refugio München berichten uns viele Geflüchtete neben traumatischen Erlebnissen in der Heimat von solch belastenden Fluchtgeschichten. Es gibt keine legalen Möglichkeiten für Verfolgte und Traumatisierte, um nach Europa zu kommen. Je rigider die Grenzen abgeschottet werden, desto gefährlicher ist der Fluchtweg. Immer wieder sagen uns Menschen in der Therapie: „Es war mir egal, ob ich sterben werde. Ich hatte nichts mehr zu verlieren.“

Zelte, die in Moria mit Unterstützung der NGO „Movement on the ground“ von den Geflüchteten selbst gebaut wurden.

Eigentlich schreibt die EU in einer Richtlinie vor, dass in allen EU-Ländern sogenannte „schutzbedürftige Flüchtlinge“ sofort identifiziert werden müssen und auf ihre besonderen Bedürfnisse eingegangen werden muss. Hier nennt die Richtlinie unter anderem unbegleitete Minderjährige, Personen mit schweren körperlichen und psychischen Erkrankungen und Menschen, die Folter, Vergewaltigung oder sonstige Formen psychischer, physischer oder sexueller Gewalt erlitten haben.

Arif gehört eindeutig zu dieser Gruppe. Aufgrund seiner traumatischen Erlebnisse in der Heimat leidet der junge Mann schon bei seiner Ankunft als unbegleiteter Minderjähriger in Griechenland unter schweren psychischen Problemen. Aber statt Unterstützung geht der Leidensweg weiter.

Wer nicht krank ankommt, wird dort krank.

Er kam in Griechenland in einem Zelt außerhalb des offiziellen Lagers Moria auf Lesbos unter. Dort war er fast täglich bedrohlichen Situationen ausgesetzt. Manchmal gab es Gewalt zwischen den Bewohnern, manchmal von einheimischen rechten Gruppierungen. „Ich habe täglich an den Tod gedacht, um endlich zur Ruhe zu kommen.“, berichtet er in der Therapie. Schließlich ging er ins Meer, um dort zu ertrinken. Andere Bewohner retteten ihn und brachten ihn in ein Krankenhaus. Dort verschrieb man ihm nur Medikamente, die er selbst bezahlen sollte. Aber wovon?

Irgendwann erhielt Arif tatsächlich Asyl. Mit der Folge, dass er Lesbos verlassen konnte und nach Athen ging. Dort „wohnte“ er in verschiedenen Parks, weil er keine staatliche Unterstützung bekam. Er litt Hunger. Regelmäßig wurde er von älteren Männern belästigt, damit er sich prostituiert. Er kämpfte fortwährend mit Suizidgedanken. Der Ausweg für ihn war die Flucht nach Deutschland. Bei Refugio München unterstützen wir ihn nun psychotherapeutisch, damit er im Leben wieder Tritt fasst.

Maria Heller, eine ehemalige Mitarbeiterin von Refugio München, war Ende Februar mit der NGO stArt international in Moria, um sich dort vor allem um Kinder in den selbst organisierten Camps zu kümmern:

„Das Elendslager Moria auf der Insel Lesbos ist Anfang September abgebrannt. Die Situation der Geflüchteten dort wird dadurch noch dramatischer. Auch die griechischen Bewohner leiden darunter. Viele von ihnen wären grundsätzlich eher mitfühlend gegenüber den vom türkischen Festland kommenden Flüchtlingen. Sie fühlen sich aber völlig im Stich gelassen von der eigenen Regierung und vor allem von der EU. Darum protestieren und behindern sie auch die Arbeit der NGOs – wir wurden sogar von gewaltbereiten Rechtsextremen bedroht.“

Eine „Bäckerei“ im sogenannten Dschungel, d.h. außerhalb des offiziellen Lagers und von Geflüchteten völlig selbst organisiert.

Bei der Betreuung durch die NGO stART International e.V. zeichnen zwei Jungen, was sie sich sehnlich wünschen: ein Zuhause

Das Lager Moria ist inzwischen abgebrannt. Und aus dem neuen von der griechischen Regierung errichteten Lager erreichen uns nur grauenhafte Nachrichten über die völlig unzumutbare Unterbringung der Schutzsuchenden.

Doch Bayern könnte helfen – mit einem Landesaufnahmeprogramm für die Menschen aus den griechischen Lagern. Die Menschen, die in höchster Not aus ihrer Heimat fliehen mussten, müssen menschenwürdig aufgenommen werden und ein faires Asylverfahren bekommen. Das können wir leisten und das müssen wir leisten. Wir wissen aus unserer Arbeit sehr gut, wie krankmachend, belastend und unerträglich die Zustände für Geflüchtete in Griechenland sind und unterstützen deshalb die Forderung nach einem Aufnahmeprogramm des Landes Bayern.

Gemeinsam mit dem Bündnis #BayernNimmtAuf fordern wir daher ein bayerisches Aufnahmeprogramm für Geflüchtete aus Griechenland. Hier können Sie die Petition dazu unterzeichnen:
www.openpetition.de/!menschlichkeitjetzt

Jürgen Soyer