Ein Jahr des Aufbaus, der Begegnung und des Zusammenwachsens

Außenstelle Augsburg
Jahresbericht 2025

Für die Außenstelle in Augsburg war 2025 ein Jahr voller Herausforderungen, neuer Begegnungen und wichtiger Entwicklungsschritte.

Das Team in Augsburg ist zusammengewachsen und hat sich in einer vertrauensvollen und engagierten Zusammenarbeit gefunden. In einer Außenstelle muss vieles von allen mitgedacht werden, wie zum Beispiel Vernetzung mit anderen Trägern, Öffentlichkeitsarbeit oder auch die Zusammenarbeit mit Behörden. Neben Therapie und Beratung gibt es in Augsburg auch eine Früherkennung in den ANKER-Einrichtungen, Gruppenangebote, Kunstgruppen, Ferienprogramme und eine Gartengruppe. Ein weiterer wichtiger Baustein war der Aufbau eines eigenen Dolmetscher*innen-Pools mit rund 30 Personen.

„Für unseren Dolmetscher*innen-Pool habe ich auch schon mal jemanden im Supermarkt angesprochen. Es macht Spaß, etwas ganz von vorne aufzubauen.“
Theresa Voit, soziale Beratung bei Refugio München in Augsburg

Die Wirkung kontinuierlicher und vernetzter Unterstützung zeigt ein Klient, der im Rahmen eines Screenings im ANKER-Zentrum in Therapie aufgenommen wurde: Aufgrund schwerer Foltererfahrungen befand sich der Mann aus dem Irak in einem sehr schlechten psychischen und gesundheitlichen Zustand. Durch eine schnelle therapeutische Anbindung konnte er stabilisiert werden. Parallel dazu wurde er aufgrund einer körperlichen Behinderung medizinisch vom Kooperationspartner Caritas begleitet. Eine Begutachtung der Folterspuren in München, eine fachärztliche Stellungnahme aus der Therapie und die Begleitung der Sozialpädagogin halfen bei seiner Anhörung beim Bundesamt: Er wurde als Flüchtling anerkannt.

„Refugio München und der Caritasverband Augsburg arbeiten bereits über 14 Jahre erfolgreich zusammen und haben durch die Kombination ihrer jeweiligen Stärken ein vielfältiges und qualitativ hochwertiges Angebot für traumatisierte Geflüchtete aufgebaut. Mit dem neuen PSZ in Augsburg konnte dieses Angebot trotz ausbleibender Finanzmittel des Bayerischen Innenministeriums durch Eigenmittel und andere Zuschussmöglichkeiten erweitert werden.“
Werner Neumann, Leitung CaRe Projekt Caritasverband für die Diözese Augsburg

Die Herausforderungen der politischen Lage, drohende Abschiebungen sowie unsichere finanzielle Perspektiven erschweren leider die Arbeit. Besonders belastend ist der Umstand, dass auch in Augsburg aufgrund begrenzter Kapazitäten vielen Anfragen nach Therapie abgesagt werden müssen, darunter auch zahlreiche Kinder und Jugendliche.

„In Augsburg ist in den letzten Jahren eine große Anzahl von Geflüchteten aufgenommen worden. Hinter vielen von ihnen liegen schlimme Erfahrungen von Verfolgung und Gewalt. Wir benötigen dauerhafte Strukturen der Traumatherapie, damit wir diesen Menschen einen Neuanfang ermöglichen können und wirkliche Integration gelingt. Der Aufbau längerfristiger Strukturen im Bereich Asyl steht allerdings leider immer unter dem Vorbehalt der Endlichkeit: Förderrichtlinien sind nur kurzfristig angelegt und lassen keine Planungssicherheit zu. Diese kurzsichtige Herangehensweise wird der Realität in keiner Weise gerecht. Umso bemerkenswerter ist es, wenn ein engagierter Träger in Vorleistung geht, Eigenmittel einsetzt. Wir wünschen uns viele weitere Geburtstage und werden uns im Rahmen unserer Möglichkeiten dafür einsetzen, dass das Kind weiterwächst und gedeiht.“
Martin Schenkelberg, Referent für Gesundheit, Pflege, Integration und Gesellschaft der Stadt Augsburg

Trotz aller Herausforderungen blickt das Team auf ein positives Jahr zurück, das von Wachstum, Engagement und vielen schönen Begegnungen geprägt war.

„Wir sind hier von der Stadtgesellschaft mit offenen Armen aufgenommen worden. Immer wieder haben wir die Rückmeldung erhalten: „Danke, dass ihr da seid.“ Diese Anerkennung hat uns bestärkt und gezeigt, wie wichtig unsere Arbeit vor Ort in Augsburg ist.“
 
Dr. Guido Terlinden, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Leitung der Außenstelle in Augsburg

 

Gerade weil die seelischen Folgen von Flucht und Gewalt für viele Geflüchtete weiterhin zum Alltag gehören und der Bedarf an Unterstützung groß bleibt, ist Refugio München in Augsburg zu einem wichtigen Anlaufpunkt geworden: mit eigenen Angeboten, als Projektpartner vieler in Augsburg engagierter Träger und als Ort des fachlichen Austauschs und der kollegialen Unterstützung in der Stadt.
Margot Laun, Integrationslotsin für die Stadt Augsburg, Tür an Tür – Integrationsprojekte gGmbH

Unser Team in Augsburg