Refugio München 2025 – Refugio München hält weiter im Sturm Kurs
Unser Jahresbericht gibt Ihnen einen umfassenden Überblick über unsere Arbeit und die verschiedenen Arbeitsbereiche sowie Projekte des letzten Jahres.
Was gefährlicher ist als fehlende Menschlichkeit: die Gewöhnung daran.
Wir erleben eine Zeit, in der der Ton härter wird. In politischen Debatten, in öffentlichen Zuschreibungen, manchmal auch im zwischenmenschlichen Umgang. Menschen auf der Flucht erscheinen zunehmend nicht mehr als Einzelne mit ihrer Geschichte, ihrer Verletzlichkeit und ihrer Hoffnung, sondern als Teil eines Problems, das möglichst schnell gelöst werden soll.
Die Auswirkungen dieser Entwicklung spüren wir bei Refugio München unmittelbar. Unsere Arbeit mit traumatisierten Geflüchteten wird schwieriger – nicht nur wegen komplexer rechtlicher und gesellschaftlicher Rahmenbedingungen, sondern auch, weil viele unserer Klient*innen immer häufiger das Gefühl haben, unerwünscht zu sein. Angst, Verunsicherung und Perspektivlosigkeit nehmen zu. Und mit ihnen die seelische Belastung der Menschen, die zu uns kommen.
Gleichzeitig begegnen wir vielen Bürger*innen, Fördernden und Spender*innen, die diese Entwicklung mit Sorge betrachten. Menschen, die sich fragen, wohin unsere Gesellschaft steuert. Menschen, die fassungslos sind über eine Sprache der Abschreckung und Entmenschlichung. Menschen, die trotz allem nicht bereit sind, ihre Mitmenschlichkeit aufzugeben.
Ihnen gilt unser Dank.
Denn Humanität zeigt sich gerade dann, wenn sie unter Druck gerät. Sie zeigt sich dort, wo Menschen widersprechen, wo sie Haltung bewahren, wo sie weiter zuhören, helfen und begleiten. Humanität bedeutet nicht, Probleme zu leugnen oder politische Herausforderungen auszublenden. Sie bedeutet, den Blick auf den einzelnen Menschen nicht zu verlieren.
Das Leitbild von Refugio München erinnert uns täglich daran. Unsere Arbeit gründet auf der Überzeugung, dass Würde, Schutz und seelische Gesundheit keine Frage von Herkunft oder Bleibeperspektive sein dürfen. Diese Haltung verbindet viele Menschen – auch wenn sie in politischen Fragen unterschiedliche Auffassungen vertreten mögen.
Vielleicht ist gerade das heute wichtiger denn je: einander nicht in Lager aufzuteilen, sondern daran festzuhalten, dass Menschlichkeit kein Zeichen von Schwäche ist, sondern Ausdruck einer offenen und demokratischen Gesellschaft.
Markus Weinkopf
für den Vorstand
Hier finden Sie einige Artikel aus dem Jahresbericht 2024:




















