SoulCaRe – Früherkennung besonders schutzbedürftiger Asylsuchender in der Erstaufnahme
Jahresbericht 2025
Geflüchtete, die psychisch erkrankt und/oder traumatisiert sind, sowie Opfer von Menschenhandel oder LGBTIQ*-Geflüchtete haben besondere Bedarfe und Rechte.
Damit die besonderen Schutzbedarfe und -rechte im Asylverfahren und der Unterbringung berücksichtig werden können, müssen sie auch erkannt werden. Das ist die Aufgabe des 11-köpfigen Teams zur Früherkennung besonders schutzbedürftiger Geflüchteter in der Erstaufnahme. 2025 ist die Unterkunft für neu angekommene Geflüchtete in München umgezogen.
Hannah Gerstl, therapeutische Leitung und Stefano Scala, Leitung des Fachbereichs, erzählen was der Umzug für Änderungen mit sich bringt.
Was war der Grund für den Umzug?
Die Unterkunft, in der die Geflüchteten nach ihrer Ankunft in München untergebracht werden, wurde vom Münchner Norden in die Garmischer Straße in ein großes, früher als Hotel genutztes Gebäude verlegt. Das sind Entscheidungen der Regierung von Oberbayern und unser Team zieht dann mit um, weil wir direkt in der Unterkunft arbeiten.
Was ist jetzt anders für das Team oder auch die Bewohner*innen?
Wir haben deutlich mehr Platz. Vorher hatten wir ein großes Büro für alle und zwei Gesprächsräume, es war sehr beengt. Jetzt haben wir ein Hauptbüro plus sechs Besprechungsräume und einen Lagerraum. Der zentrale Standort in der Stadt ist ein großer Vorteil, wir sind mit den öffentlichen Verkehrsmitteln viel besser angebunden. So ist auch für die Bewohner*innen vieles leichter zu erreichen. Und es gibt fußläufig Spielplätze für die Kinder. In der früheren Unterkunft im Münchner Norden gab es nichts rund um die Unterkunft.
In der alten Unterkunft konnten unsere psychosozialen Peer-Berater*innen leichter einfach durchs Haus gehen und Neuangekommene ansprechen. Jetzt ist das Haus größer und die Menschen bleiben länger, daher mussten wir unser Zugangskonzept anpassen. Wir beziehen deshalb auch andere Dienste wie den Sozialdienst der Diakonie oder andere Beratungsangebote mit ein, damit sie bei Auffälligkeiten Menschen zu uns schicken. Ab Mitte 2026 wollen wir auch mit Gruppen starten, um in Kontakt mit den Bewohner*innen zu kommen. In diesen Gruppenangeboten klären wir über Symptome von psychischen Belastungen auf und geben Tipps zum Umgang damit, also zum Beispiel wie man besser schlafen oder sich bei Stress beruhigen kann. So machen wir auch auf unser Angebot aufmerksam und kommen in Kontakt mit Menschen, die vielleicht Hilfe benötigen.
Gibt es Verbesserungen abgesehen von der zentralen Lage?
Die Zusammenarbeit mit den Sozialdiensten verläuft sehr gut und äußerst professionell. Es gibt jetzt auch einen psychiatrischen und psychologischen Dienst, da können Menschen bei Bedarf weiter behandelt oder betreut werden. Die übernehmen auch die Organisation stationärer Aufnahmen. Das mussten früher wir machen, obwohl wir eigentlich keine Kapazitäten dafür hatten. Ein großer Vorteil ist außerdem, dass Patient*innen für psychiatrische Behandlungen nicht mehr in die Klinik müssen. So sind auch Follow-up-Termine möglich, um beispielsweise die Medikation zu überprüfen – eigentlich obligatorisch, aber vorher war das kaum möglich. Und wir müssen für psychiatrische Behandlungen keine Anträge mehr zur Kostenübernahme stellen, das vereinfacht unsere Prozesse deutlich.
Bei euch im Team ist auch die Asylverfahrensberatung (AVB) – wie funktioniert die Zusammenarbeit?
Jede*r Sozialarbeiter*in bei uns im Team hat einen Stellenanteil im Case-Management und einen Stellenanteil in der Asylverfahrensberatung. So können wir über das Case-Management hinaus alle Personen, die im Rahmen des Früherkennungsprojektes zu uns kommen, bei Problemen oder Fragen rund um das Asylverfahren beraten. Viele Personen sind aufgrund erlebter Gewalterfahrungen sehr belastet und im Rahmen der AVB können wir sie individuell auf die bevorstehenden Termine beim BAMF vorbereiten. Die AVB steht grundsätzlich allen Bewohner*innen offen. Und so ist es auch schon oft vorgekommen, dass Personen zu uns kamen, die „nur“ Fragen zum Asylverfahren hatten. Im Verlauf stellte sich dann heraus, dass die Person psychisch stark belastet ist und so fand die Person über die AVB in das Früherkennungsprojekt und erhielt Termine mit den Psycholog*innen im Team.
Insgesamt sind wir hier zusammen schon gut aufgestellt und hoffen, das kann so bleiben.
Vielen Dank für den Einblick in eure Arbeit!

