Ein faires Verfahren braucht Beratung

Asylverfahrensberatung (AVB)
Jahresbericht 2025

Bei Refugio München wissen wir, wie entscheidend eine frühzeitige, unabhängige Asylverfahrensberatung ist. Auch wir bieten sie in der Münchner Erstaufnahme an.

Die Asylverfahrensberatung (AVB) ist aktuell gesetzlich geregelt und soll Geflüchtete über das Asylverfahren aufklären und auf die Anhörung vor dem Bundesamt vorbereiten. Besonders wichtig ist diese Beratung im geschützten Rahmen für Menschen mit besonderem Schutzbedarf – etwa Folterüberlebende, Opfer sexualisierter Gewalt oder LSBTIQ-Verfolgte, die oft nur mit einer sensiblen Vorbereitung ihre Fluchtgründe schildern können. Ohne diese Unterstützung werden wesentliche Schutzaspekte oft übersehen oder werden erst in langwierigen Gerichtsverfahren anerkannt.

Wie entscheidend das ist, zeigt der Fall eines Mannes aus Uganda: Aufgrund seiner sexuellen Orientierung und einer schweren psychischen Erkrankung wurde er von unserer Früherkennung als besonders schutzbedürftig identifiziert. Zunächst war es ihm unmöglich, über das Erlebte zu sprechen – Panikattacken und unwillkürliche, quälende Erinnerungen, Bilder oder Gefühle an traumatische Ereignisse verhinderten jede zusammenhängende Schilderung. In mehreren behutsamen Beratungsterminen konnte er darauf vorbereitet werden, vom Erlebten zu berichten. Während der Anhörung begleitete ihn eine Person aus der AVB. Dank frühzeitiger Meldung seines Schutzbedarfs an das BAMF wurde die Anhörung durch einen Sonderbeauftragten durchgeführt, der Pausen zur Stabilisierung zuließ und durch eine sensible Gesprächsführung dem Klienten die Schilderung seiner Gewalt-Erlebnisse ermöglichte. Dem Mann wurde ein Schutzstatus erteilt.

Ohne professionelle Beratung und Vorbereitung wäre dieses Verfahren mit hoher Wahrscheinlichkeit gescheitert oder abgebrochen worden. Umso alarmierender ist die geplante Streichung der Mittel für die Asylverfahrensberatung ab 2027 durch das Bundesinnenministerium – das wäre faktisch das Ende eines zentralen Schutzinstruments.

Wer traumatisiert ist, braucht Zeit, Vertrauen und professionelle Begleitung – sonst bleibt der Zugang zu Schutzrechten für die versperrt, die ihn am dringendsten brauchen.