Elterntraining – Eltern aktiv: Das Kind im Mittelpunkt

Muttersprachliches Elterntraining – Eltern aktiv
Jahresbericht 2025

Mit einem neu konzipierten Modul zum Umgang mit Trennung und Scheidung unterstützt das Elterntraining neben vielen anderen Themen Familien dabei, auch in belastenden Umbruchphasen die Bedürfnisse der Kinder konsequent in den Mittelpunkt zu stellen.

Das muttersprachliche Elterntraining wurde von Refugio München speziell auf die Bedürfnisse von Familien mit Flucht- oder Migrationserfahrung hin entwickelt. Eigens ausgebildete, muttersprachliche Elterntrainer*innen arbeiten mit den Eltern an ihren individuellen Herausforderungen, die durch das Leben zwischen zwei Kulturen entstehen können. Das Training besteht aus mehreren Modulen, die verschiedene Lebensbereiche von Familien behandeln.

Für Familien mit Flucht- und Migrationserfahrung bringt das Ankommen in einer neuen Gesellschaft weitreichende Veränderungen mit sich. Solche Umbruchphasen können bestehende Belastungen verstärken und zu Konflikten führen, die in Trennung oder Scheidung münden. Deshalb ist dieses Thema auch Teil des Elterntrainings – bisher war es jedoch eher präventiv ausgerichtet: Im Fokus stand die Frage, wie familiäre Brüche vermieden werden können. Die Arbeit mit den Familien hat jedoch gezeigt, dass viele Klient*innen den Prozess der Trennung zum Zeitpunkt des Trainingsbeginns bereits vollzogen haben oder sich mitten in dieser Phase befinden. Aus diesem Grund wurde das Modul zum Thema Trennung und Scheidung 2025 grundlegend überarbeitet. Im Zentrum der neuen inhaltlichen Ausrichtung stehen konsequent die Kinder, ihre Bedürfnisse und ihr Umgang mit der veränderten Familienstruktur.

Wenn die Eltern sich trennen, sind Kinder oft besonders belastet, da elterliche Konflikte häufig unbewusst auf sie übertragen werden. Das überarbeitete Modul setzt an zwei wesentlichen Punkten an: Einerseits werden die rechtlichen Rahmenbedingungen und Normen in Deutschland vermittelt, die das Kindeswohl und die Bedürfnisse der Kinder in den Mittelpunkt stellen. Dabei werden die Teilnehmer*innen sensibilisiert, auch in der veränderten familiären Situation ihre elterliche Verantwortung wahrzunehmen. Andererseits geht es darum, das veränderte Verhalten der Kinder im Kontext der Trennung richtig zu deuten.

Die Wirksamkeit dieses Ansatzes lässt sich anhand eines Fallbeispiels aus einem aktuellen Elterntraining veranschaulichen: Ein Vater berichtete von neuen Konflikten mit seinem Sohn, der ihn etwa beim Abholen aus der Schule beleidigte. Dieses Verhalten war ihm zunächst unerklärlich, zumal Respekt gegenüber den Eltern für ihn ein zentraler Bestandteil von Erziehung ist. Gleichzeitig verschlechterten sich die schulischen Leistungen des Kindes. Im Verlauf des Trainings entwickelte der Vater ein besseres Verständnis für die neuen Verhaltensweisen und die Belastungssituation seines Kindes. Er lernte, dass das Verhalten seines Sohnes angesichts der neuen Familienkonstellation eine nachvollziehbare Reaktion ist. Wichtig ist hierbei, dass das Ziel im Training nicht ist, Schuldfragen zwischen den Eltern zu klären. Vielmehr geht es darum, die Erkenntnis zu fördern, dass das Kind in dieser veränderten Situation beide Eltern als verlässliche Stützen braucht. Der Prozess des Verstehens sowie der konstruktive Umgang mit den negativen Emotionen des Kindes bilden damit den Kern der neu erworbenen Kompetenzen.

In Fällen von Trennung oder Scheidung beobachten wir immer wieder, dass unsere Trainer*innen Gefahr laufen können, die Dynamiken und Schuldzuweisungen der Elternteile aufzunehmen. Deshalb sind regelmäßige Intervisionen und Formen kollegialer Begleitung durch unser Team für die Elterntrainer*innen wichtig. Durch die enge Begleitung werden sie dafür sensibilisiert, familiäre Dynamiken zu erkennen und eine neutrale Haltung zu bewahren.

Mit der bedarfsorientierten Weiterentwicklung des Elterntrainings reagieren wir auf die konkreten Bedürfnisse der Zielgruppe und stärken Familien in einer Lebensphase, die für Eltern und Kinder mit erheblichen Belastungen verbunden sind. Ziel ist es, Eltern fachlich zu unterstützen, damit sie auch in schwierigen Phasen von Trennung oder Scheidung die Bedürfnisse ihrer Kinder in den Mittelpunkt stellen und zu einem gesunden familiären Zusammenleben beitragen können.

Das Team vom muttersprachlichen Elterntraining