Gemeinsam schaffen wir Räume für Begegnung und Austausch.

Außenstelle Landshut
Jahresbericht 2025

Um die prekäre psychosoziale Versorgungslage für Geflüchtete in Niederbayern zu verbessern, ist Refugio München seit 2018 mit einer Außenstelle in Landshut präsent.

 

Neben dringend benötigten Therapie- und Beratungsplätzen fehlen im ländlichen Raum häufig Begegnungsorte und Angebote für den Erfahrungsaustausch unter psychisch belasteten Geflüchteten. Doch auch wenn in der Versorgung noch viel Handlungsbedarf besteht, zeigen unterschiedliche Projekte und Initiativen in Landshut, wie eine Stadt und die Region von ihrer Vielfalt profitieren können.

Die Frauengruppe von Refugio München in Landshut

Rauskommen, um sich ungestört über die Probleme und Freuden des Alltags zu unterhalten, sei es im Lieblingscafé oder in der Stammkneipe. Was für viele von uns selbstverständlich ist, ist für Geflüchtete mit psychischer Erkrankung oft bereits eine große Hürde. Insbesondere in Sammelunterkünften fehlen Orte, an denen ein ungestörter Austausch in einem sicheren Umfeld möglich ist. Zwar existieren in den meisten Kommunen offene Begegnungsräume und Treffpunkte für Geflüchtete, aufgrund ihrer offenen Struktur und wechselnder Teilnehmer*innen sind diese für psychisch belastete Menschen mit Fluchterfahrung jedoch häufig kein passendes Angebot.

Ein großartiges Beispiel, das diesen Bedarf adressiert, ist unsere im Jahr 2022 in Landshut gegründete Frauengruppe. Die Gruppe mit festen Teilnehmerinnen setzt sich aus Frauen aus westafrikanischen Ländern zusammen, die ihre Behandlung bei Refugio München in Landshut entweder bereits abgeschlossen haben oder sich aktuell noch in Behandlung befinden. Sie stellt ein niedrigschwelliges Stabilisierungs- und Nachsorgeangebot dar.

Die Treffen finden in lockerer Atmosphäre im Café des „Haus International“ statt. Oft wird gemeinsam gekocht, da viele Teilnehmerinnen in Gemeinschaftsunterkünften leben und dort kaum Möglichkeiten dazu haben. In diesem geschützten Rahmen finden offene Gespräche statt, in denen auch belastende Themen wie Rassismuserfahrungen oder Stigmatisierung aufgrund einer psychischen Erkrankung Platz finden. Darüber hinaus wird bei Bedarf auch regelmäßig fachlicher Input organisiert. So konnte beispielsweise im Rahmen des Projekts „CaRe for Women“ der Caritas Landshut im Jahr 2025 ein zweiteiliger Workshop zu den Themen Frauenrechte in Deutschland, Zyklus und Schwangerschaft sowie FGM/C (weibliche Genitalverstümmelung/Beschneidung) durchgeführt werden.

Vernetzung und gesellschaftliche Sichtbarkeit

Unser Engagement in Landshut ist vielseitig und umfasst gesellschaftspolitische, soziale und kulturelle Aktivitäten. Wir arbeiten mit verschiedenen Organisationen und Initiativen zusammen, um die Vielfalt der Landshuter Stadtgesellschaft und der Region sichtbar zu machen.

In diesem Zusammenhang sind wir Teil eines Netzwerks aus Organisationen, Vereinen und Verbänden, das sich selbstorganisiert für die Belange von Menschen mit Migrations- oder Fluchtgeschichte einsetzt.

Als Facheinrichtung für traumatisierte Geflüchtete setzen wir aber auch sozial-kulturelle Impulse, denn wir wissen aus Erfahrung, wie wichtig diese Angebote für das Selbstbewusstsein und eine gesunde Integration sind. Wir sind regelmäßig Mitveranstalter der „Wochen gegen Rassismus“ sowie der „Interkulturellen Wochen“ in Landshut und tragen entweder mit eigenen Formaten, wie 2025 mit einem Vortrag über die Auswirkungen von Rassismus auf die psychische Gesundheit, oder als Mitveranstalter externer Veranstaltungen zum Programm bei. So fand im Jahr 2025 beispielsweise auch die Lesung des Autors und Aktivisten Gianni Jovanovic aus seinem Buch „Ich, ein Kind der kleinen Mehrheit“ statt. Insgesamt neun lokale Veranstalter*innen haben sich zusammengetan, um diese Lesung zu ermöglichen. Ein gelungenes Beispiel für die gute und lebendige Zusammenarbeit in Landshut!

Filmvorführungen, Familienfeste mit kostenlosen und niedrigschwelligen Angeboten oder ein Stand auf dem Landshuter CSD sind weitere Beispiele für das kulturelle Engagement in Landshut und der Region. Es wird von vielen Bürger*innen getragen und zeugt von einem vielfältigen und offenen Landshut.

Unser Team in Landshut