Leben zwischen zwei Welten

Mental Health Center Ukraine (MHCU)
Jahresbericht 2025

Um dem veränderten Bedarf der Menschen aus der Ukraine entgegenzukommen, haben wir unser Angebot von einer Krisen- und Notfallintervention geändert und in unser bestehendes Behandlungszentrum integriert.

Bei vielen Menschen aus der Ukraine zeigt sich inzwischen ein längerfristiger therapeutischer Unterstützungsbedarf. Deshalb wurde die Unterstützung für Menschen aus der Ukraine fest in unser therapeutisches Angebot integriert.

Besonders deutlich zeigt sich der hohe Bedarf bei Kindern und Jugendlichen. Viele erleben eine starke innere Zerrissenheit zwischen einem Leben in Deutschland und der Hoffnung auf Rückkehr in die Ukraine. Gerade zu Beginn des Krieges gingen viele Familien davon aus, nur vorübergehend in Deutschland zu bleiben. Zahlreiche Jugendliche nahmen parallel weiterhin am ukrainischen Online-Unterricht teil und konnten dadurch oft nur schwer in Deutschland ankommen oder die deutsche Sprache erlernen. Die Unsicherheit über die eigene Zukunft führt bei vielen zu Ängsten, Selbstzweifeln und sozialem Rückzug.

Die psychischen Belastungen reichen teilweise bis hin zu Depressionen und Suizidgedanken. Besonders belastend sind Schuldgefühle gegenüber zurückgebliebenen Angehörigen, insbesondere den Vätern in der Ukraine.

Neben Einzeltherapien konnten wir für jüngere Kinder eine kunsttherapeutische Gruppe mit begleitender Elterngruppe anbieten. Wichtig war in der Begleitung für die Eltern, wie sie ihre Kinder in dieser Ausnahmesituation stärken und unterstützen können. Die Rückmeldungen von Familien und Lehrkräften waren sehr positiv.

Ein Beispiel ist Dimitri (16), der mit starken Depressionen zu uns in Therapie kam. Er litt unter Einsamkeit, Schuldgefühlen, Zukunftsängsten und hatte Sorge alkoholabhängig zu werden. In der Therapie lernte er, seine eigenen Reaktionen besser zu verstehen. Ihm hat es sehr geholfen, Zusammenhänge zu erkennen und mehr über die Auswirkungen von Drogen zu verstehen.  Inzwischen hat er seinen Schulabschluss, das ukrainische Online-Abitur sowie die Deutschprüfungen erfolgreich bestanden. Besonders hilfreich waren für ihn Verständnis, kontinuierliche Bestärkung und Wissen, um seine Reaktionen einordnen zu können.