Forschung

Aktuelle Forschungsprojekte

Studie zu Emotionsregulation bei traumatisierten Flüchtlingen

Geflüchtete Menschen entkommen durch ihre Flucht zwar einer unmittelbaren Bedrohung, allerdings hält die psychische Belastung häufig noch lange an, was diese Population zu einer Risikogruppe für psychische Erkrankungen macht (Maier, Schmidt, & Mueller, 2010).

Die Behandlung dieser Gruppe bringt eine Reihe von Herausforderungen mit sich: Eine adäquate therapeutische Versorgung dieser besonders vulnerablen Menschen erfordert veränderte, an deren Lebenswirklichkeit und Bedürfnisse angepasste therapeutische Konzepte.

Unser Forschungsprojekt setzt deshalb sowohl auf Verständnis- als auch auf Behandlungsebene an, und legt den Fokus dabei auf die Rolle des transdiagnostischen Prozesses der Emotionsregulation. Denn Emotionsregulation wirkt nicht nur als Kernmechanismus für die Entwicklung und Aufrechterhaltung von Traumafolgestörungen, sondern beeinflusst durch ihre Auswirkungen auf soziale Situationen und Beziehungen auch maßgeblich den Integrationserfolg mit.

Es soll folglich ein Störungsmodell entwickelt und überprüft werden, welches die Lebenswirklichkeit von Flüchtlingen mit in den Blick nimmt und praktische Implikationen für die Behandlung von traumatisierten Flüchtlingen erlaubt. Darauf aufbauend wird ein kultursensibles Gruppentherapiemanual zur Förderung der Emotionsregulationsfähigkeiten entwickelt und evaluiert. Denn bestehende Manuale können nur bedingt auf Flüchtlingspopulationen übertragen werden, was sowohl die klinische Erfahrung von Refugio München, als auch eine empirische Masterarbeit, die bei Refugio München durchgeführt wurde, zeigt (Koch, 2015).“

In wissenschaftlicher Kooperation mit Prof. Dr. Thomas Ehring, LMU München.

Studie zu Prädiktoren und kulturspezifischen Symptomausprägungen der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) bei Flüchtlingen 

Im Rahmen der Standarddiagnostik von Refugio München werden alle KlientInnen, die eine Therapie beginnen, hinsichtlich verschiedener Belastungen und beeinträchtigter Lebensbereiche in ihrer Landessprache systematisch befragt. Ziel dieser Fragebogenstudie ist es, zum einen Faktoren (z.B. Post-Migrations-Stressoren, bestimmte traumatische Ereignisse) zu identifizieren, welche die Wahrscheinlichkeit für bestimmte Störungsbilder (PTBS, Dissoziation, Angst, Depression) und deren Symptome erhöhen. Zum anderen wird untersucht, inwieweit sich v.a. für die PTBS kulturspezifische Symptomausprägungen (z.B. stärkere Somatisierung) finden lassen.

Die Ergebnisse der Studie werden es Refugio München ermöglichen, frühzeitig und gezielt auf besonders vulnerable Flüchtlinge einzugehen und kulturelle Ausdrucksformen psychischer Belastungen noch besser zu verstehen.

Bei Anfragen bgzl. Forschungskooperation wenden Sie sich bitte an Dr. Alexandra Liedl per E-Mail an Alexandra.liedl@refugio-muenchen.de.

Abgeschlossene Forschunsgprojekte

  • Die Anwendbarkeit des Cultural Formulation Interviews zur Exploration der subjektiven Krankheitskonzepte von Flüchtlingen für ihre posttraumatischen Belastungssymptome (Jenny Mika, Barbara Abdallah-Steinkopff, Markus Maragkos, Maria Gavranidou), 2014
  • Interpreters as Culture Brokers (Maria Strobel, Barbara Abdallah-Steinkopff, Angela Kühner), 2009
  • Vulnerabilität bei unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen (Marie Christine Fischer, Barbara Abdallah-Steinkopff, Maria Gavranidou, Willi Butollo), 2008
  • Ein Fragebogen zum Effekitivitätsnachweis der Therapie bei Flüchtlingen (Rebecca Breit, Barbara Abdallah-Steinkopff, Rita Rosner, Gisela Röper), 2007