Forschung

Die Forschungsabteilung: nah an den Bedürfnissen unserer Klientinnen und Klienten

Forschung bei Refugio München ist „Forschung im Feld“, immer ausgerichtet an den Bedürfnissen und Interessen der Geflüchteten und der BehandlerInnen.

Was unsere Forschungsabteilung auszeichnet ist die langjährige Erfahrung in der Erforschung der besonderen Belastungen von Geflüchteten und eine enge Vernetzung mit der Ludwig-Maximilian Universität München und dem therapeutischen und sozialpädagogischen Team bei Refugio München sowie anderen psychosozialen Zentren.

Unsere aktuellen Forschungsprojekte:

Wissenschaftliche Begleitung der Behandlungen

Im Rahmen der Standarddiagnostik werden alle Klient*innen von Refugio München ab 11 Jahren bei Therapiebeginn auf ihre Belastungen und beeinträchtigten Lebensbereiche in ihrer Landessprache mit Hilfe von Fragebögen systematisch befragt. Diese Befragung wird nach 6 Monaten und am Ende der Therapie wiederholt, sodass die Therapieverläufe quantitativ dargestellt werden können. So können wir den diagnostischen und therapeutischen Prozess standardisieren und ergänzen. Außerdem erhalten wir dadurch wichtige Erkenntnisse, mit welchen Belastungen die Klient*innen zu uns kommen, wie sich diese verändern und welche Faktoren die Therapieverläufe beeinflussen.

Emotionsregulation bei traumatisierten Geflüchteten – STARK

Seit 2016 widmete sich die Forschungsabteilung intensiv der Untersuchung von Emotionsregulation als transdiagnostischem Prozess bei traumatisierten Geflüchteten. In diesem Rahmen wurde das Gruppenkonzept „Skills-Training der Affektregulation – ein kultursensibler Ansatz: STARK“ entwickelt und mithilfe einer randomisierten kontrollierten Studie evaluiert. Das Gruppenkonzept STARK stellt ein strukturiertes Training der Emotionsregulationsfähigkeiten dar, das in enger Zusammenarbeit zwischen Praktiker*innen und Forscher*innen von Refugio München speziell für traumatisierte Geflüchtete entwickelt wurde. Die Klient*innen lernen im Training Gefühle zu erkennen und anschließend adäquat mit ihnen umzugehen bzw. intensive Gefühle besser zu regulieren. Denn nach belastenden Lebensereignissen werden häufig im Alltag intensive Gefühle (Angst, Traurigkeit, Ärger) erlebt und oft fehlen den Betroffenen geeignete Strategien, damit umzugehen. Das zentrale Element und Alleinstellungsmerkmal von STARK ist die hohe Kultursensibilität.  Das STARK-Programm wurde im vergangenen Jahr als therapeutisches Manual im Schattauer Verlag veröffentlicht.

Das Forschungsprojekt wurde im Rahmen einer Dissertation durchgeführt und konnte 2020 erfolgreich abgeschlossen werden. Die viele Arbeit daran wurde auch durch das breite Interesse der Forschungsgemeinschaft wie auch der psychosozialen Behandlungscommunity belohnt. Und ganz besonders freut uns, dass Theresa Koch mit dieser Dissertation mit dem Förderpreis der DGVT (Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie) ausgezeichnet wurde.

Eine ausführliche Zusammenfassung der STARK Studie finden Sie hier.

Unser aktuelles STARK-Gruppenangebot finden Sie hier.

Schlafstörungen bei Geflüchteten

Schlafstörungen stellen bei unseren Klientinnen ein sehr relevantes und belastendes Problem dar. Fast alle unsere KlientInnen berichten davon. Gleichzeitig besteht eine große Wissenslücke in der Literatur bezüglich der verschiedenen Arten, dem Ausmaß und den Korrelaten von Schlafstörungen bei Geflüchteten. Aufgrund dessen hat sich die Forschungsabteilung von Refugio München zum Ziel gesetzt, dieses – in der Praxis so relevante – Phänomen in den nächsten Jahren genauer zu untersuchen. Aufbauend auf den Erkenntnissen soll dann ein Manual zur Behandlung von Schlafstörungen von Geflüchteten entwickelt und evaluiert werden, das an deren besondere Bedürfnisse angepasst ist.

Abgeschlossene Forschungsprojekte

  • Die Anwendbarkeit des Cultural Formulation Interviews zur Exploration der subjektiven Krankheitskonzepte von Flüchtlingen für ihre posttraumatischen Belastungssymptome (Jenny Mika, Barbara Abdallah-Steinkopff, Markus Maragkos, Maria Gavranidou), 2014
  • Interpreters as Culture Brokers (Maria Strobel, Barbara Abdallah-Steinkopff, Angela Kühner), 2009
  • Vulnerabilität bei unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen (Marie Christine Fischer, Barbara Abdallah-Steinkopff, Maria Gavranidou, Willi Butollo), 2008
  • Ein Fragebogen zum Effekitivitätsnachweis der Therapie bei Flüchtlingen (Rebecca Breit, Barbara Abdallah-Steinkopff, Rita Rosner, Gisela Röper), 2007

Bei Anfragen bezüglich einer Forschungskooperation wenden Sie sich bitte an Dr. Theresa Koch per E-Mail an theresa.koch@refugio-muenchen.de.